Gnade und Friede sei mit dir und mit Euch von dem der da war, der da ist und der da sein wird wird in aller Ewigkeit unser Herr und Heiland Jesus Christus. Amen
Einleitung
Vor einiger Zeit saß ich in einer Vorstandssitzung. Es ging – wie so oft – um die Terminfindung für die nächste Sitzung. Als ein Termin vorgeschlagen wurde, sagte ich: „An diesem Tag kann ich leider nicht. Da habe ich Hauskreis.“
Die Antwort kam schnell und vermutlich gar nicht böse gemeint:
„Für das Hobby Kirche kann man doch mal einen Termin ausfallen lassen.“
Dieser Satz ließ mich nicht los.
Nicht, weil ich mich persönlich angegriffen fühlte, sondern weil er eine Frage aufwirft, die weit über diese Situation hinausgeht:
Ist Kirche tatsächlich nur ein Hobby?
Ist der Gottesdienst, der Hauskreis, die Gemeinschaft der Gemeinde etwas, das man besucht, wenn gerade Zeit ist – wie Sport, Musik oder Briefmarkensammeln?
Oder ist Kirche etwas grundsätzlich anderes?
Das Johannesevangelium gibt darauf eine klare Antwort.
1. Kirche beginnt nicht mit einem Gebäude, sondern mit einer Begegnung
Johannes erzählt am Anfang seines Evangeliums von den ersten Jüngern.
„Kommt und seht!“ (Johannes 1,39)
Jesus lädt Menschen nicht zu einer Veranstaltung ein.
Er lädt sie zu sich selbst ein.
Sie kommen.
Sie bleiben.
Sie erleben ihn.
Das ist der Anfang der Kirche.
Kirche ist deshalb keine Organisation, sondern eine Gemeinschaft von Menschen, die Jesus begegnet sind.
Ein Hobby kann man wechseln.
Man kann heute Tennis spielen und morgen Golf.
Aber die Beziehung zu Christus ist keine Freizeitbeschäftigung.
Sie verändert das ganze Leben.
2. Wer Jesus begegnet, ordnet sein Leben neu
Im Johannesevangelium begegnen wir immer wieder Menschen, deren Leben durch Jesus völlig verändert wird.
Nikodemus.
Die Samariterin.
Der Blindgeborene.
Maria Magdalena.
Keiner von ihnen sagt:
„Jesus ist ein schönes Hobby für die Freizeit.“
Alle erkennen:
Hier geht es um Leben.
Jesus sagt:
„Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“ (Johannes 14,6)
Nicht:
„Ich bin eine interessante Freizeitmöglichkeit.“
Sondern:
Ich bin das Leben.
Wenn Christus das Leben ist, dann kann die Gemeinschaft mit ihm niemals nur Nebensache sein.
3. Die Rebe lebt nicht ohne den Weinstock
Eines der stärksten Bilder benutzt Jesus in Johannes 15.
„Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.“
Eine Rebe lebt nur, solange sie mit dem Weinstock verbunden bleibt.
Niemand würde sagen:
„Ach, heute braucht die Rebe den Weinstock einmal nicht.“
Das wäre ihr Ende.
Jesus sagt:
„Getrennt von mir könnt ihr nichts tun.“
Kirche ist deshalb nicht einfach ein Termin.
Hauskreis ist nicht einfach ein Programmpunkt.
Gottesdienst ist nicht einfach eine Veranstaltung.
Es sind Orte, an denen Christus seine Gemeinde stärkt.
Natürlich kann niemand an jedem Termin teilnehmen.
Es gibt Krankheit.
Beruf.
Familie.
Urlaub.
Verpflichtungen.
Darum geht es gar nicht.
Die Frage lautet vielmehr:
Welche Priorität hat die Gemeinschaft mit Christus?
4. Jesus gründet keine Einzelkämpfer
Im Johannesevangelium begegnen wir immer wieder einer Gemeinschaft.
Die Jünger sind gemeinsam unterwegs.
Sie essen gemeinsam.
Sie lernen gemeinsam.
Sie beten gemeinsam.
Nach der Auferstehung erscheint Jesus nicht nur einzelnen Menschen.
Er erscheint seiner Gemeinschaft.
Thomas fehlt einmal.
Gerade an diesem Tag begegnet ihm Jesus nicht.
Er erlebt die Auferstehung erst eine Woche später.
Das ist bemerkenswert.
Jesus hätte Thomas auch allein erscheinen können.
Aber Johannes zeigt:
Die Gemeinschaft ist wichtig.
Nicht zufällig.
Nicht austauschbar.
5. Liebe zeigt sich in gelebter Gemeinschaft
Jesus sagt:
„Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr Liebe untereinander habt.“ (Johannes 13,35)
Liebe kann man nicht allein leben.
Sie braucht Gemeinschaft.
Hauskreise sind deshalb keine Pflichtveranstaltungen.
Sie sind Orte,
an denen Menschen miteinander beten,
einander tragen,
einander zuhören,
einander helfen,
und gemeinsam Jesus nachfolgen.
Das ist keine Freizeitgestaltung.
Das ist gelebter Glaube.
6. Was ist eigentlich ein Hobby?
Ein Hobby…
…macht Freude.
…ist freiwillig.
…kann jederzeit beendet werden.
…hat keine tiefgreifenden Folgen.
Der Glaube an Jesus ist anders.
Er prägt Entscheidungen.
Er verändert Werte.
Er bestimmt Prioritäten.
Er trägt durch Krisen.
Er schenkt Hoffnung über den Tod hinaus.
Niemand würde sagen:
„Meine Ehe ist ein Hobby.“
Oder:
„Meine Familie ist ein Hobby.“
Warum?
Weil Beziehungen keine Hobbys sind.
Und die Beziehung zu Christus erst recht nicht.
7. Natürlich braucht es Augenmaß
Dabei dürfen wir nicht in das andere Extrem verfallen.
Kirche ist nicht der Maßstab dafür, wie viele Termine jemand wahrnimmt.
Auch wer krank ist,
Schicht arbeitet,
kleine Kinder betreut,
oder Angehörige pflegt,
gehört genauso zu Christus.
Jesus misst nicht Anwesenheitslisten.
Er sieht das Herz.
Aber ebenso wahr ist:
Wo unser Herz ist,
da investieren wir Zeit.
Nicht aus Zwang.
Sondern aus Liebe.
8. Der schmerzhafte Satz
Als ich damals hörte:
„Für das Hobby Kirche kann man doch mal einen Termin ausfallen lassen“,
da wurde mir bewusst, wie unterschiedlich Menschen Kirche verstehen.
Für manche ist Kirche ein Verein.
Für andere eine Tradition.
Für wieder andere ein kulturelles Angebot.
Für Johannes ist Kirche etwas ganz anderes.
Sie ist die Gemeinschaft der Menschen,
die Jesus folgen.
Nicht weil sie müssen.
Sondern weil sie erkannt haben,
dass er das Leben ist.
Schluss
Am Ende des Johannesevangeliums fragt Jesus Petrus dreimal:
„Liebst du mich?“ (Johannes 21)
Er fragt nicht:
„Wie viele Veranstaltungen hast du besucht?“
Er fragt auch nicht:
„Wie viele Termine hast du wahrgenommen?“
Er fragt:
„Liebst du mich?“
Denn aus dieser Liebe entsteht alles andere.
Wer Jesus liebt,
sucht seine Nähe.
Wer Jesus liebt,
sucht die Gemeinschaft der Glaubenden.
Wer Jesus liebt,
nimmt sich Zeit für ihn.
Nicht weil Kirche ein Hobby wäre.
Sondern weil Christus der Herr des Lebens ist.
Darum ist Kirche weit mehr als ein Freizeitangebot.
Sie ist der Ort, an dem Christus seine Gemeinde sammelt, stärkt und sendet.
Möge Gott uns davor bewahren, unseren Glauben auf einen Platz unter vielen Freizeitaktivitäten zu reduzieren. Und möge er uns zugleich die Freiheit schenken, aus Liebe zu ihm zu leben – nicht aus Pflichtgefühl, sondern aus der Freude darüber, dass wir zu ihm gehören.
Amen.