Preigt zu Offenbarung 3:20

„Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an …“

Eine Predigt über Offenbarung 3,20 im Licht des Johannesevangeliums

Predigttext: Offenbarung 3,20

„Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, zu dem werde ich hineingehen und mit ihm das Abendmahl halten und er mit mir.“


Gnade und Friede sei mit dir und mit Euch von dem der da war, der da ist und der da sein wird wird in aller Ewigkeit unser Herr und Heiland Jesus Christus. Amen

In unserem Hauskreis lesen wir fortlaufend die Bibel. Vor einiger Zeit führte uns ein Querverweis zu diesem bekannten Vers aus der Offenbarung.

Ich hatte diesen Vers schon unzählige Male gelesen.

Ich hatte ihn oft in Evangelisationen gehört.

Fast immer wurde er so ausgelegt, als richte Jesus diese Worte an Menschen, die ihn noch gar nicht kennen.

Doch diesmal blieb ich an einem anderen Gedanken hängen.

Denn ich fragte mich:

Wie oft muss der Herr eigentlich bei mir anklopfen, bis ich ihm wirklich öffne?

Nicht bei meinem Nachbarn.

Nicht bei den Menschen außerhalb der Gemeinde.

Sondern bei mir.

Denn ich kenne Jesus.

Ich glaube an ihn.

Ich lese sein Wort.

Ich bete.

Und trotzdem gibt es immer wieder Bereiche meines Lebens, in denen ich die Tür lieber geschlossen halte.

Vielleicht kennt ihr diese Frage auch.


1. Wer steht eigentlich vor der Tür?

Der erste Blick gilt dem Zusammenhang.

Jesus spricht diese Worte nicht zu Heiden.

Nicht zu Atheisten.

Nicht zu Menschen, die nie etwas von ihm gehört haben.

Er spricht zur Gemeinde in Laodizea.

Also zu Christen.

Zu einer Gemeinde.

Zu Menschen, die seinen Namen tragen.

Das verändert alles.

Jesus steht nicht vor der Tür einer fremden Welt.

Er steht vor der Tür seiner eigenen Gemeinde.

Wie erschütternd ist dieses Bild.

Die Gemeinde gehört ihm.

Und doch steht er draußen.

Er klopft.

Er drängt sich nicht auf.

Er schlägt die Tür nicht ein.

Er wartet.


2. Johannes kennt dieses Bild bereits

Dasselbe Johannes, der die Offenbarung schreibt, hat auch das Evangelium geschrieben.

Schon dort begegnen wir demselben Gedanken.

Johannes beginnt sein Evangelium mit den Worten:

„Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf.“ (Johannes 1,11)

Wie traurig.

Der Schöpfer kommt zu seiner Schöpfung.

Der König kommt zu seinem Volk.

Doch die Tür bleibt verschlossen.

Dann folgt einer der schönsten Verse:

„Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden.“ (Johannes 1,12)

Im Johannesevangelium beginnt alles mit dem Öffnen der Tür.

In der Offenbarung endet alles ebenfalls mit dem Öffnen der Tür.

Dazwischen liegt das ganze Leben des Glaubens.


3. Jesus klopft durch sein Wort

Wie klopft Jesus eigentlich?

Nicht mit hörbaren Schlägen.

Nicht mit Donner.

Nicht mit Gewalt.

Im Johannesevangelium sagt Jesus:

„Meine Schafe hören meine Stimme.“ (Johannes 10,27)

Sein Klopfen geschieht durch seine Stimme.

Immer wenn wir die Bibel lesen,

wenn wir eine Predigt hören,

wenn der Heilige Geist unser Gewissen berührt,

wenn ein Bruder oder eine Schwester uns liebevoll auf etwas hinweist,

dann klopft Jesus.

Nicht laut.

Aber deutlich.

Vielleicht erleben wir das oft.

Wir lesen einen Bibelvers.

Plötzlich bleibt unser Blick daran hängen.

Es ist, als würde Gott sagen:

„Das gilt heute dir.“

Das ist sein Klopfen.


4. Warum öffnen wir oft nicht sofort?

Wenn Jesus gut ist,

warum zögern wir?

Das Johannesevangelium gibt darauf Antworten.

a) Weil wir unsere eigene Kontrolle behalten möchten

Jesus sagt:

„Wer mein Jünger sein will …“

Nachfolge bedeutet,

dass Christus Herr wird.

Aber wir behalten gern selbst den Schlüssel.

Wir sagen:

„Herr, dieser Bereich gehört dir.

Aber jener lieber nicht.“

Vielleicht betrifft es unsere Zeit.

Vielleicht unser Geld.

Vielleicht unsere Verletzungen.

Vielleicht unsere Beziehungen.

Vielleicht unseren Stolz.

Jesus klopft gerade an dieser Tür.


b) Weil wir beschäftigt sind

Maria und Martha begegnen uns zwar bei Lukas, aber Johannes berichtet ebenfalls von ihrer Familie.

Martha dient.

Das ist gut.

Aber manchmal kann selbst guter Dienst verhindern,

dass wir Gemeinschaft mit Jesus pflegen.

Wie oft sind wir mit christlicher Arbeit beschäftigt,

aber nicht mit Christus selbst?


c) Weil wir meinen, wir hätten alles

Genau das war das Problem von Laodizea.

Sie sagten:

„Ich bin reich.“

Jesus sagt:

„Du bist arm.“

Wie schnell denken wir:

„Eigentlich läuft mein Glaubensleben ganz ordentlich.“

Doch Jesus sieht tiefer.


5. Was geschieht, wenn wir öffnen?

Jesus sagt:

„Ich werde hineingehen.“

Er sagt nicht:

„Vielleicht.“

Nicht:

„Wenn ich Zeit habe.“

Sondern:

„Ich werde.“

Im Johannesevangelium verwendet Jesus immer wieder das Wort:

Bleiben.

„Bleibt in mir und ich in euch.“ (Johannes 15)

Das griechische Wort μένω (menō) bedeutet wohnen, bleiben, verweilen.

Jesus sucht keine kurzen Besuche.

Er möchte Gemeinschaft.

Nicht fünf Minuten.

Nicht sonntags.

Sondern jeden Tag.


6. Das gemeinsame Mahl

Jesus sagt:

„Ich werde mit ihm das Mahl halten.“

Im Orient bedeutete gemeinsames Essen weit mehr als Nahrungsaufnahme.

Es bedeutete:

Gemeinschaft.

Versöhnung.

Vertrauen.

Freundschaft.

Im Johannesevangelium sitzt Jesus immer wieder mit Menschen am Tisch.

Mit seinen Jüngern.

Beim letzten Abendmahl.

Nach der Auferstehung am See Genezareth bereitet er sogar das Frühstück vor.

Der auferstandene Herr kocht für seine Jünger.

Welch ein Bild.

Nicht Distanz.

Sondern Gemeinschaft.

Genau dazu lädt Offenbarung 3 ein.


7. Wie oft muss Jesus klopfen?

Diese Frage ließ mich nach dem Hauskreis nicht los.

Wie oft muss Jesus eigentlich bei mir anklopfen?

Vielleicht schon zum zehnten Mal wegen derselben Sache.

Vielleicht erinnert er mich seit Monaten daran,

jemandem zu vergeben.

Oder mehr Zeit im Gebet zu verbringen.

Oder weniger auf mich selbst zu vertrauen.

Oder mutiger Zeugnis zu geben.

Vielleicht klopft er immer wieder an dieselbe Tür.

Nicht weil er aufdringlich wäre.

Sondern weil er uns liebt.

Ein Fremder klopft einmal.

Ein Freund klopft erneut.

Ein Vater hört nicht auf,

sein Kind zu suchen.

Jesus klopft,

weil seine Liebe größer ist als unsere Trägheit.


8. Die Geduld Jesu

Im Johannesevangelium sehen wir immer wieder seine Geduld.

Petrus versteht vieles nicht.

Thomas zweifelt.

Philippus fragt immer wieder nach.

Die Jünger fliehen.

Und doch gibt Jesus keinen von ihnen auf.

Nach der Auferstehung sucht er Petrus.

Er fragt nicht:

„Warum hast du versagt?“

Sondern:

„Liebst du mich?“ (Johannes 21,15)

Das ist typisch für Jesus.

Er klopft nicht, um zu verurteilen.

Er klopft, um wieder Gemeinschaft herzustellen.


9. Was bedeutet das für unseren Alltag?

Vielleicht klopft Jesus heute an die Tür unseres Herzens.

Nicht zum ersten Mal.

Vielleicht erinnert er uns an einen Auftrag, den wir immer wieder aufschieben.

Vielleicht ruft er uns zurück zu einer ersten Liebe, die im Alltag schwächer geworden ist.

Vielleicht möchte er, dass wir ihm einen Bereich unseres Lebens anvertrauen, den wir bisher fest verschlossen halten.

Die entscheidende Frage lautet nicht:

Hat Jesus angeklopft?

Sondern:

Habe ich seine Stimme gehört?

Und wenn ich sie gehört habe:

Bin ich bereit, ihm zu öffnen?


Schluss

Mich begleitet seit jener Bibellese eine einfache, aber tiefgehende Frage:

Wie oft muss der Herr bei mir anklopfen, bis ich ihn hereinlasse?

Ich wünsche mir, dass ich seine Stimme nicht überhöre.

Dass ich nicht denke:

„Später.“

„Morgen.“

„Wenn ich mehr Zeit habe.“

Denn Jesus klopft nicht, weil ihm etwas fehlt.

Er klopft, weil mir etwas fehlt, wenn ich ihn draußen stehen lasse.

Der Herr des Himmels bittet um Einlass.

Nicht als Kontrolleur.

Nicht als Richter.

Sondern als Freund, als Hirte und als Erlöser.

Im Johannesevangelium sagt Jesus:

„Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“ (Johannes 10,10)

Genau deshalb klopft er.

Nicht, um uns etwas wegzunehmen.

Sondern um uns das Leben in seiner ganzen Fülle zu schenken.

Darum lasst uns heute nicht nur über die geschlossene Tür nachdenken.

Lasst uns sie öffnen.

Denn der Herr wartet nicht mit Vorwürfen.

Er wartet mit offenen Armen.

Amen.