Mein Pilgerweg von Hattingen Mitte zum Kloster Stiepel
Ein Pilgerweg muss nicht über hunderte Kilometer durch fremde Länder führen. Manchmal beginnt die innere Einkehr direkt vor der Haustür – im Einklang mit der Natur, der Geschichte der Region und einem treuen Begleiter an der Seite. Gemeinsam mit meiner Hündin Lissy habe ich mich auf den Weg von Hattingen Mitte bis zum Zisterzienserkloster Stiepel gemacht.
Durch die Geschichte: Altstadt und Henrichshütte
Unser Weg begann am Bahnhof Hattingen Mitte. Bereits nach wenigen Schritten empfing uns das historische Flair der Hattinger Altstadt. Zwischen den malerischen Fachwerkhäusern und den ruhigen, kopfsteingepflasterten Gassen verlangsamte sich unser Schritt ganz automatisch. Lissy schnupperte neugierig an den alten Gemäuern, während sich die alltägliche Hektik langsam legte.
Weiter ging es in Richtung Ruhr und zum beeindruckenden Industriedenkmal Henrichshütte. Der Kontrast hätte kaum größer sein können: Wo einst Hochöfen glühten und schwere Industrie den Takt vorgab, herrscht heute eine fast ehrfürchtige Stille. Das mächtige Hochofen-Ensemble ragte eindrucksvoll gegen den Himmel auf. Der Vorbeimarsch an den verrosteten Stahlkolossen erinnerte daran, wie Wandel und Zeit die Landschaft wie auch uns Menschen verändern.
Entlang der Ruhr und der Weg als Sinnbild (Johannes 14,6)
Nach dem Abstecher in die Industriegeschichte führte uns der Weg weiter an die Ruhrwiesen. Für Lissy war dies der schönste Abschnitt: Das weite Grün, der Duft des Wassers und genug Raum für entspannte Pausen. Wir folgten dem Flusslauf eine Zeit lang, bevor der Anstieg hinauf nach Bochum-Stiepel begann.
Auf den Steigungen und ruhigen Abschnitten gingen mir die Worte aus dem Johannesevangelium durch den Kopf:
„Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ (Johannes 14,6)
Beim Gehen bekommt dieses Bibelwort eine ganz praktische Tiefe. Pilgern ist mehr als nur das Zurücklegen von Metern: Es erinnert daran, dass Jesus nicht nur ein Ziel auf einer Karte ist, sondern die Ausrichtung für den gesamten Lebensweg. Auf den steilen Pfaden wurde mir bewusst, dass der Suchende auf dem Weg selbst bereits getragen wird. Die Orientierung an seinen Worten gibt dem Gehen Richtung (Wahrheit) und Fülle (Leben). In der Schlichtheit des Gehens – Schritt für Schritt mit Lissy an der Seite – fühlte sich dieser Gedanke überraschend greifbar an.
Ankunft im Kloster Stiepel: Vesper und Complet
Das Ziel vor Augen erreichten wir schließlich das Zisterzienserkloster Stiepel. Die friedliche Atmosphäre des Klostergeländes nahm uns sofort ein. Nach einer erholsamen Pause im Außenbereich, bei der Lissy versorgt wurde und zur Ruhe kam, fand der Pilgerweg seinen geistlichen Höhepunkt.
Ich nahm an den abendlichen Gebeten der Mönche teil:
- Die Vesper: Der feierliche Abendgesang erfüllte die Klosterkirche mit einer tiefen Ruhe. Die psalmodierenden Stimmen brachten die Eindrücke und Gedanken des Tages ordnend zusammen.
- Die Complet: Als letztes Stundengebet vor der Nachtruhe bildete die Complet einen besonders ergreifenden Abschluss. Das traditionelle Salve Regina im abgedunkelten Kirchenraum hinterließ ein tiefes Gefühl des Angekommenseins und des inneren Friedens.
Die Rückfahrt nach Langenberg
Nach den Gebeten und den letzten stillen Minuten auf dem Klostergelände machten wir uns auf den Rückweg. Erfüllt von den Worten, den Gesängen und der Ruhe stiegen wir in den Bus zurück nach Langenberg. Während draußen die Dämmerung über die Landschaft zog, schlummerte Lissy zu meinen Füßen zufrieden ein. Ein wunderbarer Tag, der gezeigt hat, wie viel Kraft in den kleinen Pilgerwegen unserer Heimat liegt.

Leider nur ein Bild aus dem Internet, da mein Handyakku nicht mehr genug Power hatte.
(c) Frank Vincentz
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Es sei noch sehr positiv zu erwähnen, das Lissy mit in die Kirche durfte, denn in dieser Kirche sind Hunde erlaubt, solange sie ruhig am „Mann“ bleiben, und für Entspanntheit ist ja die Diva bekannt.

Sehr angenehm zu laufen, teilweise auf strasse, viel durch Gründ, gerade im Bochumer Süden, zum Ende hügelig.